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Woche 01

Veränderung liegt in der Luft

Irgendetwas ist im Busch, das merke ich doch. In den letzten Tagen war ein Sie-Mensch da, erst alleine, dann mit einem kleinen Er-Menschen. Der Sie-Mensch bekam sich gar nicht ein über mich - gut, das ist jetzt nicht so verwunderlich, denn auch wenn ich das selbst von mir behaupte: Ich bin schon richtig gut geraten! Außerdem bin ich durchaus etwas Besonderes. Ich bin nicht einfach „ein Hund“, o nein! Ich bin ein Hybridhund. Wäre ich ein Auto, hätte ich eine eigene EU-Richtlinie. 

Ich sollte mich wohl kurz vorstellen: Gestatten, Joker. Ich kam vor zehn Monaten auf die Welt und wiege schon 27,5 Kilos. Meine Eltern waren ein Labrador Retriever und ein Königspudel; es liegt etwas im Dunkeln, wer dabei welche Rolle übernahm. Ich habe selbstverständlich alle guten Eigenschaften dieser Rassen mit ins Körbchen gelegt bekommen: Ich bin clever, habe eine schnelle Auffassungsgabe, ich bin empathisch und verschmust, ich kann meine Menschen beschützen, denn ich bin groß und kräftig. Doch genug davon - Selbstbeweihräucherung ist nicht mein Stil, ich lasse lieber Taten sprechen.

Mein derzeitiger Sie-Mensch, bei der ich zur Pflege lebe (über die ich übrigens nur Gutes bellen kann, sie hat die Latte für andere ganz schön hoch gehangen, die Leckerlis sind der Hammer, und langweilig wird es mir auch nur ganz selten, und dann schimpft sie gar nicht so doll, wenn ich etwas zerfetzt oder angekaut habe …), schaut sich wohl bald das Haus von diesem anderen Sie-Menschen an, und wenn ich das alles richtig deute, bekomme ich dort ein neues Zuhause. 

Puh! Nochmal umziehen. Nochmal neue Menschen. Aber die rochen eigentlich erstmal ganz gut, so im Schritt, denn nur da erkennt man schließlich, ob jemand etwas taugt oder Böses im Schritt, Verzeihung, Schilde führt, und ich habe mir nach der nicht so tollen Zeit bei meinen ganz ersten Menschen vorgenommen, für alles offen zu bleiben. Der kleine Er-Mensch wurde ein bisschen rot. Der ist vermutlich präpubertär, die Menschen haben so lustige Worte für ihre Entwicklungsphasen. Jedenfalls hat er mich ihn ausgiebig beschnüffeln lassen, während der Sie-Mensch ihm erklärte, das müsse so. Hunde erkennen dadurch, wer es gut mit ihnen meine und vor wem sie sich in acht nehmen müssten. Das hat sie mir gleich mal sympathisch gemacht, dann muss man bei der Erziehung nicht ganz von vorne anfangen, wenn sie schon ein bisschen Grundwissen mitbringen.

Also, ich lasse das jetzt mal alles auf mich zukommen. Schließlich bin ich etwas Besonderes, da werde ich schon eine angemessene Aufgabe finden und zu den richtigen Menschen kommen, die meine Hilfe brauchen.


 

Luftveränderung

Nu’ isses echt passiert - ich habe ein neues Zuhause. 

Der Sie-Mensch und der kleine Er-Mensch haben mich vorhin abgeholt. Mein Pflegefrauchen hat sich beim Sport außer Gefecht gesetzt, und auf einmal musste es wohl alles recht schnell gehen. Der Sie-Mensch hat was unterschrieben und Anweisungen für meine Ohren- und Augenpflege erhalten. Wenn ich ehrlich bin, sah sie etwas überfordert aus, mal sehen, ob sie gleich dran denkt, dass die Ohrensalbe fällig ist.

Die Autofahrt war kurz, und hier ist es viel stiller als bei meiner Pflegefamilie. Wir haben nach der Fahrt gleich mal eine kurze Biege gedreht, aber noch spare ich mir das Pipimachen auf. Die haben sicher auch einen Garten, wobei ich so ein komisches Gefühl habe, dass dieser Sie-Mensch mich da nicht reinpinkeln lässt. Wir werden sehen.

Auf der kurzen Biege, die wir gedreht haben, roch es phantastisch. Hier tummeln sich ganz offenduftlich eine Menge Artgenossen. Morgen muss der Sie-Mensch aber eine große Runde mit mir drehen, muss mich ja schließlich orientieren. Ich hab mich auch von meiner feinsten Seite gezeigt und bin echt gut an der Leine gelaufen. Ich hab den Sie-Menschen sich nur ein paar Male um die eigene Achse drehen lassen, das kann sie ganz elegant, fand ich, da muss ich sie nicht mehr viel trainieren. 5 Meter habe ich an der Schleppleine, das reicht nicht für ein Mumienspiel, da bräuchte ich schon eher 10 Meter, aber meine beiden neuen Menschen machen einen voll netten Eindruck, ich glaube, so was muss ich mit denen gar nicht machen.

Dann gab’s Futter. Das, was ich kenne, mit einem halben Apfel drin, so in maulgerechte Häppchen geschnitten, man bekommt eben doch noch ordentliches Personal heutzutage. Und Leckerlis habe ich schon gerochen. Und nach dem Futtern gab es vom kleinen Er-Menschen ein Spielzeug, so eins, das quietscht, wenn ich ordentlich drauf rumkaue. Die haben echt noch keinen Plan, die zwei, das hat keine Stunde gehalten *rofl* Danach gab es ein halbes Rinderohr, auf dem ich mir gerade den Wolf kaue. Schmeckt ziemlich gut, ist aber echt Arbeit. Ich find’s süß, dass sie versuchen, es mir leicht zu machen, mich einzugewöhnen. Sie haben mir im Wohnzimmer so eine weiche Matte hingelegt, aber mein Platz ist genau da unter dem Tisch, wo ich jetzt liege. Der ist strategisch auch der Beste - ich habe den Durchgang zum Flur im Blick, die Tür zur Terrasse und, mal ehrlich, unterm Tisch ist immer der strategisch beste Platz, falls mal Essen runterfällt. Das soll vorkommen, behaupten die anderen Hunde draussen, die mir bislang so begegnet sind. Dieser Esstisch kommt mir allerdings gar nicht so vor, als würde er zum Essen benutzt, er ist total vollgepackt mit Menschenzeug. 

Also, mein erster Eindruck ist mal ganz okay. Es gibt noch ein Oben und ein Unten in dem Haus, das muss ich mir bei Gelegenheit dann auch mal anschauen. Jetzt mach ich aber erstmal das halbe Rinderohr platt … man riecht sich!




Meine erste Nacht war prima, hab gut geschlafen bei meinen neuen Menschen. Heute früh um sechs Uhr ging es gleich raus, und mein Sie-Mensch hat nur ein bisschen gezuckt, als ich einen schönen großen Haufen gemacht habe auf unserer Runde. Ich war zufrieden mit der Konsistenz, man will seine Menschen ja nicht gleich verstören. Der kleine Er-Mensch war auch dabei, obwohl er noch viel länger hätte schlafen können. Jetzt setzt sich mein Sie-Mensch grad Koffein, das scheinen die alle zu brauchen. Ich hab mich unterm Tisch abgelegt und bin gespannt darauf, was der erste Tag so 
bringt.


 

Geschafft

Ich muss sagen, Stil hat mein neuer Sie-Mensch ja - ich habe wirklich ein sehr schickes Geschirr bekommen, mitsamt neuem Halsband und einer kurzen Leine, findet Ihr nicht? 

Die Schleppleine war ja auch echt wahnwitzig von ihr, aber da müssen die Zweibeiner selber drauf kommen, angeblich sind die Weibchen ja auch so viel schlauer als die Männchen. Die sind bei denen lauter und stärker, aber sonst kann ich das noch nicht abschließend beurteilen. Hier ist kein großer Er-Mensch, nur der kleine, und der ist richtig lieb zu mir. Immerhin hat mein Sie-Mensch fix begriffen, dass ich raus wollte, als ich sie ein paar Male gestupst habe, das hat sie schon ganz gut drauf. Dafür habe ich ihr auch zwei richtig große Haufen spendiert. Hund weiß schließlich, was sich gehört. Gut, dass sie gerade haufenweise ( … hihi, ich weiß, ich lach mich auch oft genug über mich selbst schlapp …) Kacktüten gekauft hat. Das waren heute aber auch eine ganze Reihe von Leckerlis, ich fürchte stark, dass das nicht so weitergeht.

Sie gibt sich wirklich Mühe, aber ich habe sie heute mehrfach „Wir müssen in die Hundeschule!“ und „Boah, ich brauch’ ’nen Hundetrainer!“ stöhnen hören, und nach unserer großen Runde heute Vormittag war sie ganz schön geschafft. Dabei laufe ich recht manierlich an der Leine, nur halt ständig von rechts nach links, nach rechts zurück, und als ich mir den hässlichen Vogel holen wollte, musste sie sich ganz schön dagegenstemmen. Ich mag noch jung sein, aber ich habe Mordskräfte. Das ist ein bisschen witzig, Ihr kennt sie ja nicht, aber mein Sie-Mensch schreibt Krimis, habe ich mitbekommen. Jedenfalls war sie richtig müde, und ich habe dann auch ein kleines Schläfchen gehalten. 

Sehr cool ist ja das Spielzeug, dass sie mir beim Abstecher in den Tierbedarfsladen spendiert hat, also da muss ich schon sagen, da hat sie sich gut beraten lassen. Das macht ziemlich Laune, damit rumzuhantieren, und irgendwas roch darin ganz lecker. Ich hab’s ziemlich schnell rausgeschlabbert, war nicht so schwer, bin ja schließlich kein Dooferman - an der richtigen Stelle gedrückt, und schon war das Zeug raus. Sie hat so nett gekichert, also hab ich das Teil auch ordentlich durch die Gegend geblödelt.

Ich glaub’, ich hab’ es ganz gut getroffen. Die beiden scheinen ein bisschen Liebe und gute Laune im Leben gut gebrauchen zu können. Und das sind schließlich meine Spezialitäten - ich bin der Joker. Der, der zum Einsatz kommt, wenn das miese Blatt es erfordert … man riecht sich!

PS: Was für eine Gegend! Tierischer Brennpunkt, ohne Zweifel! Da haben wir den Omi-Menschen vom kleinen Er-Menschen besucht, da war es auch richtig nett und ich habe mächtig Eindruck gemacht, in dem ich entspannt auf dem Teppich lag und die drei in Ruhe habe essen lassen. Aber dann … man glaubt es kaum: Auf dem Rückweg wurden wir im Dunkeln auf hinterhältigste Weise von einer Katze attackiert! Die ging sofort auf den kleinen Er-Menschen los, aber ich stand vor ihm - dann wollte sie auf mich raufspringen, hat gefaucht wie eine Kobra, gebuckelt, dass des Glöckners Haltung wie die einer Primaballerina wirkt, und die Krallen waren voll ausgefahren. Wir haben uns alle drei mächtig erschrocken, und das Überraschungsmoment scheint genau ihr Ding zu sein. Aber mein Sie-Mensch hat nicht lange gefackelt und sie weggetreten. Nicht doll, denn mein Sie-Mensch kann so was nicht, Tieren wehtun, was sie mir ja noch sympathischer macht. Und was kann ich Euch sagen, das blöde Biest kam uns hinterher! Erst ein anderer Hund, der auf dem Weg hinaus mit seinem Herrchen war und laut bellte - was wohl eher mir galt als der Katze -, hat sie dann vertrieben. Meine Menschen waren ganz schön geschockt. Ich blieb cool und leise, ich lass mich doch von so einem dummen Ding nicht zum Kläffen verleiten. Aber ich werde mir merken, auf der Strecke Obacht zu geben.


 

So viel laufen

Mein Sie-Mensch ist im Eimer. Von dem Bisschen Laufen. Gestern Abend lag sie regungslos auf dem Sofa und stöhnte über Schmerzen in Bereichen, von denen sie nicht einmal ahnte, dass sie wehtun könnten. Sie ist wirklich nicht gut in Form, aber das werde ich jetzt ändern.

Ich fühle mich hier sehr wohl. Gestern war ordentlich Trubel in der Bude - der kleine Er-Mensch hatte einen Freund nach der Schule mitgebracht, und weil er wohl so viel von mir in der Schule erzählt hat, kam noch ein Freund spontan vorbei, während die drei gerade beim Essen waren, um mal zu schauen, was ich so für einer bin. Der aß dann auch noch mit, und ich muss sagen, diese Kasslerrippchen rochen wirklich schmackhaft. Aber ich weiß mich zu benehmen, und ich weiß, dass mein Sie-Mensch mir verlässlich Futter geben wird. Um Futter Betteln ist auch so würdelos, schließlich hab ich als Labradoodle auch meinen Stolz.

Heute Vormittag hatte sie einiges zu regeln - am Montag kommt eine Tierärztin und schaut sich nochmal meine Ohren an. Die waren ja entzündet, aber ich glaube, sie sind wieder in Ordnung. Dann hat sie uns zum Junghundetraining angemeldet in einem Verein, der hier in der Nähe liegt. Das finde ich eine gute Maßnahme - während sie nämlich am Rechner rumsaß, war mir ganz schön langweilig. Natürlich überlege ich mir dann, wie ich mir alleine die Zeit vertreiben kann, und im Badezimmer fand ich mein erstes Opfer. Das hab ich klammheimlich mit nach unten geschleppt und mich ihm dann genüsslich unter dem Tisch gewidmet. Da ist es schön gemütlich und es kriegt nicht jeder gleich mit, wenn ich da was mache, was mir Spaß macht, diese Zweibeiner aber doof finden. Sie hat's aber mitgekriegt. Ich hatte vergessen, dass diese Sie-Menschen mit kleinen Menschen fast so gute Ohren wie wir Hunde haben. Sie hat nicht laut geschimpft, aber toll fand sie nicht, dass sie dem kleinen Er-Menschen jetzt neue Badelatschen kaufen muss.

Jetzt drehen wir gleich wieder eine Runde, und ich wette, danach ist sie wieder ganz schön kaputt. Heute Nachmittag und am Abend ist sie eine Weile nicht da, habe ich mitbekommen. Sie hat eine "Lesung". Der kleine Er-Mensch und der Omi-Mensch werden mir Gesellschaft leisten. Jede Wette springt da ein Rinderohr für mich raus ... mal sehen, wie ich das finde, wenn mein Sie-Mensch meint, sich ohne mich verlustieren zu können, und ob ich meinen Unmut im Wohnzimmer liegen lassen muss, um ihr zu zeigen, dass sie sich nicht zu verabsentieren hat. 

Ihr werdet's morgen lesen ... man riecht sich!


 

Mein zweites Opfer

Soso, da hatte mein Sie-Mensch also einen tollen Abend. Ganz beseelt kam sie nach Hause, und ich habe sie auch gebührend enthusiastisch begrüßt. Ich war auch den ganzen Abend richtig brav und habe dem kleinen Er-Menschen und dem Omi-Menschen gar keine Mühe gemacht. Auf der Runde mit meinem Sie-Menschen habe ich einen prima Haufen hingelegt und eine schöne große Pfütze laufen lassen ...

Hund nennt das "seine Menschen in Sicherheit wiegen". Denn als der Sie-Mensch meinte, sich jetzt auch noch an den Rechner setzen und ihre Facebook-Nachrichten lesen zu können, da war die Zeit reif. Und die Klorolle im Gäste-WC musste dran glauben. 

Mal ehrlich, wenn sie denkt, sie kann einfach so ohne mich losziehen und stundenlang Spaß mit anderen haben, habe ich in meiner Erziehung noch sehr viel zu tun mit ihr. So nicht, meine Liebe, so nicht. 

Jetzt ist es spät, genug randaliert, und ich hau mich mal hin. Man riecht sich!


 

Lernfähigkeit

Mein lieber Sie-Mensch, wenn Dir ein Hundetrainer sagt, er braucht meinen Impfpass, sonst kann ich nicht am Junghundetraining teilnehmen, empfiehlt es sich, den in Deine große Tasche zu stecken, bevor wir losgehen. Es ist natürlich löblich, dass Du an die Bestätigung für die Tierhalterhaftpflichtversicherung gedacht hast (was habt Ihr Menschen nur für lustige Wörter!), aber auch für Euch Zweibeiner gilt: Aufgewacht, mitgedacht! Deine Tasche ist so unfassbar riesig - wobei genauso unfassbar ist, dass sie kein einziges Leckerli beinhaltet; glaube mir, ich hatte meine Nase tief drin - da wäre doch für dieses schicke schmale Heftchen durchaus noch Platz gewesen.

Und dabei sah es echt cool aus auf diesem riesigen Platz. Ich hätte bestimmt mal ohne Leine richtig rumtoben können. Wenigstens kurz. Stattdessen standen wir da, haben uns den Hintern abgefroren und mussten dann unverrichteter Dinge wieder heimfahren. Fairerweise muss ich sagen, dass mein Sie-Mensch viel trauriger darüber war als ich selbst. Die Kollegen auf dem Platz, die vor mir dran waren, schienen zwar Spaß zu haben, aber ich weiß doch, wie hervorragend wir für jeden leckeren Happen heucheln. Und Euch Spaß vorzutäuschen, ist echt ein Klacks. 

Aber gut, dafür weisst Du jetzt auch, dass Du weiche Leckerlis mitnehmen solltst, Wurststückchen oder Käsehäppchen, und hast jetzt eine Woche lang Zeit, Dich mit dem Thema meiner Ernährung auseinanderzusetzen. Barf! (Verstehste? Kennste? Weeßte? Haste schon von gejöhrt?) Klar fresse ich alles, aber willst Du jeden Tag nur Knäckebrot vorgesetzt bekommen? Wohl kaum. (Auch wenn's nicht schaden könnt' ...) Und Du weisst, dass Deine Jackentasche beileibe nicht für die Menge an Motivationshäppchen ausreichen wird, die ich brauchen werde. Wobei ich hoffe, dass Du überlesen hast, dass ich dann auf mein Frühstück verzichten soll. Eine Frechheit, so was vorzuschlagen. Ich schau mir diese Trainer da ganz genau an, das könnt Ihr glauben. Ganz genau. 

Mein lieber Sie-Mensch, da ist noch gut Luft nach oben, was? Also schauen wir mal, ob ich Dich jetzt in Ruhe die Steuer für den Omi-Menschen machen lasse ...

Man riecht sich!


Sonntag, Ruhetag 

Um 7.15 Uhr murmelte mein Sie-Mensch heute Morgen etwas von ‚keine Ahnung, wann sie das letzte Mal an einem Sonntag um die Zeit unterwegs gewesen sei ... nüchtern’, während sie tapfer mit mir gelaufen ist. Ich hab sie mit dem Großen Set (Pipi & Haufen) belohnt; sie freut sich immer so, wenn ich das draussen mache.

Für einen Sonntag, der doch bei Euch Zweibeinern eher ruhig und besinnlich ablaufen soll, war hier heute reichlich Trubel. Ich bleibe ja cool, meine beiden Menschen freuen sich ganz offensichtlich über eine volle Hütte. 

Der kleine Er-Mensch hatte einen Übernachtungsgast, und mein Sie-Mensch stellte fest, als wir wieder zurück waren, dass sie immer noch kein Mehl gekauft hatte, also gab es keine Eierkuchen wie wohl sonst. Die zwei kleinen Zweibeiner sind dann Fußballspielen gegangen, obwohl es wirklich bitterkalt draussen war. Chapeau!, dachte ich so bei mir, denn die sind ja ganz nackt und haben nur auf dem Kopf Fell. Kurz bevor sue rausgingen, kamen eine Freundin und ihr Freund auf einen Kaffee vorbei, und der Freund hat noch gefrühstückt. Leberwurst, ich hab‘s genau gerochen. Ich ging leer aus. 

Mittags ging es dann zum Omi-Menschen zum Essen. Das roch phantastisch, aber das Gerede vom Omi-Menschen und dem anderen älteren Sie-Menschen, die auch noch da war, über Krankheiten und Nachbarn, die sich nicht um den Schimmel in ihren Kellern kümmern, ging meinem Sie-Menschen gewaltig auf die Nerven, das hab ich genau gemerkt. Sie und der kleine Er-Mensch waren durchaus erleichtert, als sie dann wieder mit mir raus ‚mussten‘. 

Kurz nachdem wir dann wieder daheim waren, kam eine Freundin vom Sie-Menschen, und das Gerede ging weiter. Ich hab natürlich wieder nix vom mitgebrachten Kuchen abbekommen. Und die selbstgemachten Schokocrossies haben sie auch alleine gefuttert. Aber ich bin ja nicht so, und immerhin gab es heute einen sehr leckeren Kauknochen, also hab ich einfach unterm Tisch ein bisschen gedöst. Wir Junghunde brauchen schon noch viel Schlaf. Damit wir wachsen. Was meinem Sie-Menschen etwas Angst einjagt, weil sie wohl gehofft hat, ich sei schon ausgewachsen. Jetzt will sie die Tierärztin mal fragen, was da Sache ist. Die kommt morgen, um sich meine Ohren nochmal anzuschauen. Und meinem Sie-Menschen tausendundeine Frage zu beantworten, sie hat sich eine Liste gemacht. Sie macht gerne Listen, glaube ich. Auf ihrem Rechner hat sie eine Liste mit den Vor-und den Nachteilen ihres neuen Lebens. Auf der einen Seite konnte ich lesen ‚keine schlechten Gerüche mehr durch Qualm oder Socken‘. Qualm ist blöd, aber Socken find ich persönlich ja je müffliger, desto schön.

Der Abend war jetzt richtig gemütlich. Der kleine Er-Mensch hat mich prima gekämmt, das war ja so angenehm, und gleich geht‘s nochmal raus. 

Tag 5 und ich hätt‘s wirklich schlechter treffen können. Man riecht sich!


Tierärztin am Start 

Boah, echt jetzt? Salbe in die Augen? Was denkt Ihr Zweibeiner Euch denn bei so was? Mennoooo ... ob mein Sie-Mensch das so souverän hinkriegt wie die Tierärztin, die heute Vormittag da war, wird sich dann nachher zeigen. Und dann hatte die Dame auch noch die Chuzpe, meinem Sie-Menschen zu sagen, ich müsste Muskulatur aufbauen, ich sei zu wenig bewegt worden als jüngerer Welpe. Sie hat mich quasi einen Lauch genannt! Eine unverschämte Bodenlosigkeit, wenn Ihr mich fragt. 

Mein Sie-Mensch hat leise gewinselt, als die Tierärztin wieder fort war. „Noch mehr laufen?“, fragte sie mich entsetzt. Tja, Püppi, wer ein großes Mädchen mit einem großen Hund sein will, muss eben auch große Strecken zurücklegen. 

Gut war, dass die Futterfrage fürs erste geklärt wurde. Ich bekomme weiter mein Trockenfutter (Lachs mit Rentier ... kein Lauch, pah!) und dazu gibt‘s dann erstmal abends gedünstete Möhrchen. Wenn das zu schönen knackigen Kackewürsten führt, bekomme ich abends gedünstetes Hühnchen. Meine Leckerlis sind auch geklärt, und es gibt bis auf weiteres nur die. Und für die Zahnpflege soll ich ordentliche Kauknochen kriegen. Das Allerbeste ist, dass ich mehr Futter kriegen kann als bisher, solange der Sie-Mensch auf die Leckerlis achtet.

Das wird schon. Und weil hier alle gerade ziemlich schlapp sind, soll‘s das für heute auch schon gewesen sein. Ich hänge ein paar mehr Fotos ran - das Wetter heute war bombig, und ich habe auf der langen Runde einige Bekanntschaften geschlossen. Das muss ich auch erstmal alles sacken lassen.

Na dann, man riecht sich!


Waste not, want not 

Mein Sie-Mensch ist restlos bedient und flucht leise vor sich hin. Wie das Menschen machten, die voll arbeiten gehen müssten, und das könne doch alles nicht richtig sein, und ein grundloses Bedingungseinkommen oder so was wäre echt überfällig.

Der kleine Er-Mensch war schon fertig angezogen, um in die Schule zu gehen - und hat sich dann im Schwall übergeben. Also bleibt er heute zu Hause, und mein Sie-Mensch hat ihren Tag gecancelt. Er hängt saft- und kraftlos auf dem Sofa auf ihrem Schoß, und sie gucken eine Krimiserie. Wer ist hier der Lauch im Haus? 

Ich ja wohl nicht. Mir hat das Morgenfressen so dermaßen gut geschmeckt, dass ich es in drei Nanosekunden inhaliert hatte. Ungeschickterweise kam es weitere drei Nanosekunden später wieder hoch und landete in meiner Ecke vor ihrem Bücherregal: alle Lachs-und-Rentier-Pellets unverdaut, mitten drin in erbsengrüner Pampe. Der kleine Er-Mensch wurde ganz blass um die Nase, während mein Sie-Mensch recht souverän, das muss gesagt werden, nur die Augen rollte und trocken meinte, das habe ihr heute zu ihrem vollständigen Glück gefehlt; statt einen romantischen zehnten Hochzeitstag zu genießen, sieht sie ihrer dritten Scheidung entgegen und darf die Kotze zweier Kerle aufmoppen, und dann fluchte sie wie ein Schottischer Hafenarbeiter. Das kann sie sehr gut. 

Aber ich bin nicht so ein Lauch-Mensch wie die anderen Kerle in ihrem Leben (den kleinen Er-Menschen ausgenommen, der ist toll und wird kein Lauch-Mensch, wenn er groß ist), sondern ein Hund, der das Hunde-Credo verinnerlicht hat: Hier kommt nichts um. Also hab ich alles wieder ordentlich aufgegessen.

Mein Sie-Mensch war begeistert, denn sie musste nur noch feucht drüberwischen, und schon war der Tatort gereinigt.

Ich bereite meinen Menschen ja gerne solch kleine Freuden. Das ist schließlich mein Job. Ich bin die Hilfe, die man in Anspruch nehmen kann, wenn man selber nicht weiter weiß. Ich bin der Joker.

In diesem Sinne: Man riecht sich!