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Wenn der Wurm drin ist




 

 

 

 

 

 

 

Wenn der Wurm drin ist
oder
Ich hab mein Wasser sowieso lieber gekachelt


So ein Wurm hat es in sich. Mit dem ist nicht gut Kirschen essen. Das führt zu Bauchweh und Schlimmerem. Ich habe momentan einen Wurm in meinem Leben. Der führt auch zu Bauchweh und Schlimmerem.

 

Es gibt viele verschiedene Arten von Würmern, meiner ist höchstwahrscheinlich ein Priapswurm, Priapus humanus. Ja, ein ’menschlicher Penis’, übersetzt, denn so sieht er in etwa aus und wurde von seinem Entdecker nach dem griechischen Gott Priapos benannt. Dem Gott der Manneskraft. So viel Stehvermögen ist mir lange nicht mehr begegnet. Ich hätte auch viel lieber einen Hufeisenwurm, da hätte ich noch Hoffnung. Wegen der Form, die bei uns ja eher als Glücksbringer gilt. Das Oxymoron gäbe mir Zuversicht. Der Peniswurm mag zunächst für Heiterkeit sorgen, ist aber aus meiner Erfahrung dauerhaft eher ein Schlafstörer und Glücksräuber. Er zermürbt eine. Neben seinen Grübchen und Noppen hat der Priapswurm Dornen, mit denen er sich festkrallt, fortbewegt und auch seine Beute packt. Die schiebt er sich dann in einem Stück in den Schlund, es klingt langwierig und schauerlich. So aus Beutesicht. Der Priapswurm wähnt sich vermutlich als Hedonist.

  

Ich komme mir bereits reichlich angekaut vor.

  

Seit einigen Monaten sorgt der Menschliche-Penis-Wurm in meinem Leben nun also offensiv für eine Aneinanderkettung verschiedenster Ärgernisse. Jedes Mal, wenn ich denke, jetzt geht es aber wieder bergauf, hallo, mich haut so schnell nichts um, läuft der Keller voll Wasser, das Auto springt nicht an, eine Freundin verhält sich auf einmal ganz merkwürdig distanziert, das Kind muss sich erbrechen, oder der treulose Blödmann, mit dem ich mal alt werden wollte, lässt dezent einen weiteren Knüppel zwischen meine Füße gleiten, der SKY Receiver funktioniert nicht, die frisch gekauften Himbeeren sind auf dem Heimweg verschimmelt, und beim Zappen lande ich ausnahmslos bei Formaten mit Florian Silbereisen. Es scheint aussichtslos: Ich hänge kraftlos im Maul dieses Parasiten, der Wurm ist drin, keine Frage, es ist nur eine Frage der Zeit, bis er mich vollends verschlungen und dann durch sein für so einen Simpel recht üppiges Darmsystem ausgeschieden hat. Ich bin chancenlos, den Priapswurm gibt es seit über 500 Millionen Jahren. Das Viech ist offensichtlich zäh, und Biologie war keines der Fächer, in denen ich glänzte.

 

Doch der Peniswurm hat die Rechnung ohne die Wirtin gemacht.

 

Er ernährt sich nämlich von Seinesgleichen, wobei ich ihm von Herzen guten Hunger wünsche, sowie von wirbellosen weichkörperigen Opfern. Ein Stückchen wird er noch weiter an mir herumknabbern, dann ist er durch den weichen Körper durch und dann ist Schicht. Dann stößt er auf mein Rückgrat, und daran hat sich schon so mancher Schmarotzer vor ihm die Zähne ausgebissen. Und wenn mein kleiner Schwanzwurm dann mit Zahnweh fragend auf das starke, erprobte Gerüst schaut, das mich seit vielen Jahrzehnten zusammenhält, kappe ich leise lächelnd seine Penetrationsanker und drücke ihn liebevoll zurück in den Schlamm, aus dem er sich in mein Leben hineingewanzt hat. Soll keiner sagen, ich hätte kein Herz für Tierchen.

 

Wenn der Wurm drin ist, muss er noch lange nicht bleiben. Ich mag ein paar Dellen und Narben mehr haben, nachdem ich ihn wieder los sein werde, aber die werden mich in Zukunft daran erinnern, nicht mehr in trüben Gewässern zu fischen. Ich hab mein Wasser sowieso lieber gekachelt.